" Brausende Stille ", 1999 Harzöl-Lasur 85 x 130 cm
Ölbilder
Zur Person:
Geboren
1952
1971-1978 Studium der Germanistik und Amerikanistik in Tübingen
1978-1983 Studium
an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
1980
Förderpreis der Künstlergilde Ulm
1983
Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler Württemberg
1987 Ehrenmedaille beim Grand Prix International d’Art Contemporain
Monte Carlo
1999
Mitgliedschaft im Stuttgarter Künstlerbund und in der Künstlergilde Buslat
Verheiratet, 2 Kinder,
wohnhaft in Kirchentellinsfurt bei Tübingen
Ausstellungen
und Ausstellungsbeteiligungen (Auszug):
Zahlreiche
Einzel- und Gruppenausstellungen seit
1983, darunter:
Württ.
Kunstverein, Stuttgart
Große
Kunstausstellung Düsseldorf,
Kulturverein
Nürnberg,
Galerie
Bollhagen, Worpswede
Kunsthalle
Tübingen
Europäisches
Kulturzentrum Rolandseck, Remagen
Galerie
Tendenz, Sindelfingen
Galerie
im Landratsamt Böblingen
Schloss
Haigerloch
Öffentliche
Ankäufe:
Regierungspräsidium
Tübingen
Landkreis
Böblingen
Zu den Arbeiten Michael Krähmers
Schönheit
ist empfundener Rhythmus
(Christian Morgenstern)
Wenn die Schöpfung
mit dem dritten Tage beendet
gewesen wäre, dann sähe die Welt
wohl so aus, wie die Bilder Michael Krähmers sie zeigen: ruhig, harmonisch, ästhetisch,
schön, „wie gemalt„. Seit der Schaffung der Kreaturen und der damit
verbundenen Vertreibung aus dem Paradies hat sich das Bild der Natur nachhaltig
verändert. Wer deshalb
versucht, die Landschaften Michael Krähmers heute und in der Realität
wiederzufinden, hat die Aussage
dieser Bilder eher nicht verstanden. Nicht umsonst nennt Krähmer seine Bilder
„Magische Landschaften“. Scheinen auch einzelne Komponenten dieser Bilder
der Realität nachgebildet zu sein, so wirken sie doch immer ein Stück entrückt,
als ob sie für etwas stünden, das jenseits der Realität zu finden ist. Entrückt
wirken sie, diese merkwürdigen Felsformationen, Wasserwege, Himmel, und
irgendwie kühl, selbst wenn die Erde sich aufzutun scheint oder die Felsen
sonnenbeschienen sind. So ist es wohl kein Zufall, dass häufig der Mond am
Himmel steht, dass eher Dämmerung als Nacht oder Licht zu finden sind.
Dennoch vermitteln die Bilder keine dunkle Stimmung: sie wirken zwar
distanziert aber überhaupt nicht bedrohlich, sie sind kühl aber nicht kalt.
Es sind Bilder, mit denen man gern leben mag, die sich nicht aufdrängen,
die in ihrer Klarheit und in ihren manchmal fast mathematisch-fraktal
anmutenden Strukturen beruhigend auf die Seele zu
wirken vermögen, die aber dennoch durchaus geistig anregend sind. Man
kann sich in diese Bilder, Formen, Strukturen versenken, ohne in ihnen zu
versinken. Die bevorzugten Farben, das klare Blau des Himmels, das Weiß von
Wolken, Nebel, Himmelsreflektionen, und die in dieses Blau einfließenden Rottöne,
die das Blau violett erscheinen lassen und die durch die Sonne hervorgerufen zu
sein scheinen, die gelegentlichen Aufhellungen durch in die Bilder projizierte
Rechtecke, die – aufgestellten Spiegeln gleich – einen völlig neuen Blick
eröffnen: all dies vermittelt einen Eindruck von Unendlichkeit im Gegensatz zur
kreatürlichen Endlichkeit, von Ruhe. Diese
Ruhe jedoch gleicht nicht der Stille von Friedhöfen, sie hat
Ausstrahlung, Rhythmus und die verhaltene Kraft, die man im leicht gekräuselten
Wasser und in der Bewegung der Wolken beobachten kann.
Spiegelungen sind nicht zufällig eine wesentliche kompositorische
Komponente in den Bildern Michael Krähmers: auch die Bilder selbst erscheinen
wie Spiegelungen: von Seelenzuständen,
Gefühlen, Traumwelten.
Zur Technik
Michael Krähmers Harzöl-Lasurtechnik ist wahrlich „altmeisterlich“ und heute ungewöhnlich, in der Renaissance jedoch war diese Technik in vielen Varianten durchaus üblich. Sie ist außerordentlich zeitaufwendig, nicht nur wegen der langen Trocknungszeiten, sondern auch wegen ihrer Vielschichtigkeit. Schicht um Schicht in bis zu zehn Lagen übereinander entstehen diese Harzöl-Lasurbilder. Entscheidend ist bei dieser Technik, dass die verschiedenen übereinandergesetzten durchsichtigen Schichten den Bildern eine Art von Dreidimensionalität verleihen, gleichzeitig den Eindruck von Durchsichtigkeit und Tiefe vermitteln. Technik und Aussage der Krähmerschen Bilder korrespondieren so auf ungewöhnlich gelungene Weise.
Lydia Jantzen-Philipp